Ethische Imkerei in der Praxis

Ethisch orientierte Imkerei in der Praxis

Unser Ideal-Ziel ist die immer wiederkehrende gesunde Überwinterung und Auswinterung eines jeden Bienenvolkes, da ein Bienenvolk im Grunde unsterblich ist. Krankheiten, Weisellosigkeit, Wetter und Umwelteinflüsse können dem im Wege stehen. Allerdings hat der Imker durch die gewählte Betriebsweise, also den Umgang mit den Bienen, einen erheblichen Einfluss.

Wir lehnen daher durchaus verbreitete Betriebsweisen ab …

bei denen der Tod des Bienenvolkes billigend in Kauf genommen wird
um z.B. einen maximalen Honigertrag zu erzielen. Für vollkommen abstrus halten wir die Aussage, dass ein geplanter Totalverlust der Bienenvölker, also eine Betriebsweise, die 100% Bienen in 100% Honig konvertiert, die ökologischte ist. Wir nehmen Bienenvölker vorzeitig aus der Ernte und verzichten auf mehr Honigertrag, wenn die Gefahr besteht, dass sie Schaden nehmen würden.

bei denen Bienen nicht ausreichend und frühzeitig vor tödlichen Parasiten (Varroa) geschützt werden.

bei denen als Wirtschaftsprinzip Bienenvölker das aktuellen Jahres am Jahresende aufgelöst (beseitigt) werden
und für das kommende Jahr fast ausschließlich auf junge Völker gesetzt wird. Unser Ziel ist dagegen eine Verjüngung des Bestandes durch Ausgleich von (leider) unvermeidbaren Verlusten und schwächelnden Völkern. Dies jedoch nicht mit mehr als 25% Jungvölkern gemessen am Bestand bei Beginn des Winters. Das reicht unseres Erachtens aus, um den Bestand züchterisch weiter zu entwickeln und vitale Bienenvölker zu haben. In der Landwirtschaft nennt man das die Remontierungsrate. Wir arbeiten daran, wie in anderen ökologischen Tierhaltungsbereichen auch, diese möglichst weiter zu reduzieren.

bei denen alle oder viele Königinnen systematisch nach 1-2 Jahren getötet werden und gegen junge leistungsfähigere Königinnen ausgetauscht werden.
Wir sind überzeugt, dass man den Zustand jedes einzelnen Volkes beurteilen muss, um einen solchen gravierenden Eingriff zu rechtfertigen. Dies setzt detaillierte Aufzeichnungen über jedes einzelne Volk voraus. Die Annahme, dass nur junge Königinnen starke Völker führen können, halten wir für Quatsch. Dazu gibt es genügend Aufzeichnungen die zeigen, dass auch ältere Königinnen 1-jährigen Königinnen den Rang ablaufen können. Unser Ziel ist es, den Bienen die eventuell notwendige Erneuerung der Königinnen zu überlassen und greifen nur dann ein, wenn wir bemerken, dass eine Königin kein starkes Volk mehr aufrechterhalten kann und ein Bienenvolk die Erneuerung der Königin nicht aus eigener Kraft schafft. Da wir während der Schwarmperiode unter Umständen die vom Bienenvolk gewollte Erneuerung der Königin behindern, machen wir den Bienen danach nochmal ein Angebot, ob sie ihre Königin aus eigenem Willen erneuern wollen.

bei denen billigend in Kauf genommen wird, dass Bienen gequetscht oder verletzt werden.
Wir arbeiten bewusst langsam und machen kritische Bereiche bienenfrei, um möglichst keine Bienen zu quetschen, z.B. beim Wabenziehen und beim Aufeinandersetzen der Kästen. Das bedeutet einen höheren Zeitaufwand und führt aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu Einbußen. Diese Rücksicht ist aber dem Respekt vor dem Einzellebewesen geschuldet.

bei denen Bienenverluste und tote Bienen bei der Wanderung zu erwarten sind.
Wir wandern nur während der Nacht mit den Bienen, da diese dann entspannt und ruhig sind. Am frühen Morgen werden die Bienen wieder am Zielort aufgestellt. Das ist schonend für die Bienen, aber anstrengend für den Imker.

Wir lehnen Maßnahmen ab bei denen die Integrität des Bienenvolkes, also die gewachsene Volkszusammengehörigkeit, und der eigene Entwicklungsplan des Bienenvolkes ge- oder zerstört wird.

Somit lehnen wir es ab Bienenvölker am Ende der Saison Wabe für Wabe auseinanderzunehmen und willkürlich aus den Einzelteilen verschiedener Bienenvölker wieder zusammenzusetzen.
(Ein Negativbeispiel sieht man sehr schön im Film „More than Honey“). Bienen sind Lebewesen und keine Schaufel Kies oder Zement, die man beliebig mixt. Nur wenn die Vitalität und Sammelbereitschaft eines Volkes nicht mehr sichgerstellt ist, wird es mit anderen vereinigt. Das setzt aber voraus, dass man die Schwächung des Volkes nicht von vorne herein billigend in Kauf genommen hat (Maximierung des Honigertrages).

Somit kommen bei uns honigertragsoptimierende Pressingmethoden nicht zum Einsatz, bei denen die Gefahr der Mangelversorgung besteht.
Bei solchen Methoden wird der Brutbereich der Bienenvölker so eingeengt, dass kein oder nur noch extrem wenig Honig und/oder Pollen um das Brutnest permanent bevorratet werden kann. Kommt es zu Kälte- oder Regenperioden, können die Völker ihren aktuellen Bedarf nicht mehr decken und können auch nicht mehr auf Vorräte zurückgreifen. Von daher müsste sichergestellt sein, dass Pollenwaben in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und diese bei Bedarf den Bienen zurückgegeben werden können.

Was wir akzeptieren solange wir keine befriedigende bessere Lösung gefunden haben:

die Verhinderung von Schwärmen.
Das Schwärmen der Bienen ist ein essentieller Akt im Jahresablauf eines natürlich lebenden Bienenvolkes. In der Natur ist es auch so angelegt, dass nur ein Teil der Schwärme wirklich überleben wird. Nicht jeder Schwarm findet auch in der Wildnis eine dauerhaft geeignete Wohnung. In unserer ausgeräumten Kulturlandschaft ist dieses Problem jedoch eklatant. Würden wir die Bienen schwärmen lassen (sich natürlich vermehren lassen) dann würden noch viel mehr der Schwärme keine schützende Höhle finden und würden sterben. Aus Sicht des Imkers, der die Bienen als Nutztiere hält, würden schwärmende Völker oder zur Schwarmverhinderung geteilte Bienenvölker keinen oder nur sehr wenig Honigüberschuss erbringen. Damit wäre aus unserer Erfahrung das Ziel, dem Imker ein Einkommen zu ermöglichen, nicht mehr gegeben. Das könnte man evtl. mit deutlich höheren Honigpreisen ausgleichen. Aber es würde dann auch die Anzahl der Bienenvölker im Betrieb stetig wachsen, was nur durch ein Beseitigen (Auflösen) von anderen Völkern verhindert werden kann. Das halten wir in dieser Systhematik für nicht akzeptabel.

Entnahme von einer Brutwabe mit Bienen
von einem starken Bienenvolk zur Erstellung eines neuen Bienenvolkes zum Ausgleich von Verlusten während des Winters und im Jahresverlauf (Ziel 25%). Das entspricht, populär gesprochen, dem Wegnehmen eines Stecklings beim Kaktus.

Drohnenbrutentnahme und damit Vernichtung der männlichen Bienenbrut zur Reduzierung des Varroabefalls
um den Bienen Erleichterung zu verschaffen. Die Varroamilbe vermehrt sich mehr als doppelt so schnell in der Drohnenbrut als in der Arbeiterinnenbrut. Wir sind auf gutem Weg, unsere Behandlung gegen die Varroa so organisiert zu haben, dass wir zumindest zum Teil drauf verzichten können und arbeiten weiter daran das zu verbessern.

Verwendung des Absperrgitters um der Königin den Zutritt zum Honigbereich zu verwehren.
Aus unserer Sicht eine kleine Einschränkung für die Königin aber dafür ein Gewinn für das Honigaroma. So können wir den Honig aus unbebrüteten Waben gewinnen.

Womit wir in der Einschätzung noch ringen und die ethische Bewertung für uns noch nicht abschließend beurteilen können. Von daher kommt dies bei uns aktuell nicht als Standardmethode zur Anwendung:

Die Entnahme und Vernichtung der kompletten Bienenbrut im Spätsommer
als standardisierte Maßnahme zur Bekämpfung der Varroamilbe, dem tödlichen Parasiten der Biene. Es gibt u.E. Mittel zur Behandlung, die im Regelfall keinen solch massiven Eingriff in das Bienenvolk benötigen, aber auch nicht wirklich unproblematisch für die Bienen sind. Letztlich schadet die Brutentnahme dem Fortbestand des Bienenvolkes nicht, auch wenn sein Lebensplan eine gravierende Störung erfährt.

Was auch zur Ethik in der Imkerei gehört…

ist die Voraussetzung, dass man mit einer im Familienbetrieb geführten Imkerei den Lebensunterhalt der Familie erwirtschaften kann.
Dass man nicht durch ein massives Schneller, Mehr und Billiger dazu gezwungen wird, die ethischen Grundsätze im Umgang mit Mensch und Tier (Bienen) über Bord zu werfen.

Mitarbeitern zu beschäftigen, die selber sachkundig im Umgang mit Bienen sind
oder falls diese es nicht sind, sie den sachkundigen Mitarbeitern nur zuarbeiten bzw. unter sachkundiger Aufsicht Eingriffe ins Bienenvolk nach Anweisung durchführen zu lassen.

Ausbeutung von Mitarbeitern und Selbstausbeutung sind keine gangbaren Wege.

Die Diskussion zum Wert diverser Betriebsweisen (Bienenhaltungsformen) in der Imkerei wird primär von der Frage der Honigmaximierung bestimmt. Seit 2010 beschäftigen sich Imker im Bioland Verband damit, solche nutztierethischen Regeln zu entwickeln. Dabei geht es insbesondere auch um sehr grundsätzliche Fragen. So z.B. ob man das Überleben des Bienenvolkes für die Maximierung des Honigertrages opfern darf. Oder ob man Bienenvölker willkürlich auseinandernehmen darf, um sie dann aus fremden Teilen irgendwie wieder zusammenzusetzen, und anderes mehr.
Aber selbst in diesem Kreis wird sichtbar, dass die Ansichten der an der Diskussion Beteiligten weit auseinander gehen und es sehr schwierig ist, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Was man bei der Entscheidungsfindung vermeiden will und muss, sind emotionale und nicht rational an ethischen Kriterien zu begründende Entscheidungen und Festlegungen.

Das wird weitergeführt und noch vervollständigt.